Wölfe
Foto: © Walter Vorbeck

Was den Umgang untereinander betrifft, sind Hunde und Wölfe – zumindest in Sachen Toleranz – doch sehr unterschiedlich. Forscherinnen der Veterinärmedizinischen Universität Wien widerlegten den Mythos, dass Hunde im Vergleich zu Wölfen als toleranter und weniger aggressiv gelten.

Lange Zeit ging man davon aus, dass die gute Beziehung zwischen Hund und Mensch das Ergebnis der Domestizierung sei, weil immer wieder die besonders toleranten Tiere vermehrt wurden. Die Annahme, dass das auch für die Beziehung von Hund zu Hund gelte – Hunde also untereinander kooperativer seien als Wölfe – untersuchten nun Friederike Range und Zsófia Virányi vom Messerli Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einer Studie. Und widerlegten sie.

Futter-Experiment

Im Wolf Science Center Ernstbrunn führten die Forscherinnen Verhaltenstests mit neun Wölfen und acht Mischlingshunden durch. Um herauszufinden, wie tolerant Wölfe und Hunde ihren Rudelmitgliedern gegenüber sind, wurden je ein ranghoher und ein rangniedriger Vierbeiner gemeinsam gefüttert.

Rangniedrigere Wölfe haben das Futter gegenüber ranghöheren häufig verteidigt und genauso oft aggressives Verhalten gezeigt wie ranghöhere. Dieses Drohverhalten haben die ranghöheren Tiere jedoch toleriert. Hunde verhielten sich im Vergleich dazu viel autoritätsbewusster. Sie hielten sich im gleichen Experiment zurück und akzeptierten die Dominanz der ranghöheren Hunde.

In der Hund-Mensch-Beziehung gehe es eher darum, ohne Konflikte miteinander zu leben und nicht um Gleichberechtigung. Die Fähigkeit des Hundes, die Führung anderer zu akzeptieren, machte ihn wohl auch zum gehorsamen Partner des Menschen.

„Sensitivität gegenüber einem höheren Rang scheint bei Hunden stärker ausgeprägt zu sein als bei Wölfen“, erklärt Erstautorin Range. „Dies zeigt sich darin, dass bei den Wölfen auch die niederrangigen Tiere protestieren können und die dominanten Tiere dies tolerieren.“

Basis der Mensch-Hund-Beziehung

„Bereits die Wölfe besitzen ein hohes Maß an Toleranz gegenüber ihren Artgenossen. Das zeigte sich daran, dass ranghohe Wölfe im Futter-Experiment das Drohverhalten ihrer rangniedrigeren Artgenossen tolerieren. Diese Toleranz ermöglicht die Wolf-Wolf-Kooperation. Genau diese Fähigkeit der Wölfe ist wahrscheinlich die Basis der Mensch-Hund-Beziehung“, so Range.

Der Artikel „Testing the Myth: Tolerant dogs and aggressive wolves“ von Friederike Range, Caroline Ritter und Zsófia Virányi wurde im Journal Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht.