Dass Zecken Krankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen können, ist bekannt. Möglicherweise aber auch den Erreger Candidatus Neoehrlichia, wie Forscherinnen und Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien herausfanden.

Vollgesaugte Zecke
Vollgesaugte Zecke. Foto: © Philipp Berger

Ein besonderer Erreger, der erstmals 1999 in einer Schildzecke nachgewiesen wurde, ist der Candidatus Neoehrlichia mikurensis. Eine Erkrankung beim Menschen verursachte er erstmals 2010 in Schweden, bisher jedoch mehrfach bei Mensch und Tier – unter anderem Hunden.

Candidatus Neoehrlichia lotoris wurde – als zweiter bekannter Erreger – ausschließlich in US-amerikanischen Waschbären nachgewiesen.

Im Rotfuchs gefunden

Eine neue Form des Erregers fanden nun Adnan Hodžić und seine Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Parasitologie an der Vetmeduni Vienna in einem Rotfuchs aus Vorarlberg. Genetisch ist das Bakterium zwischen den beiden bekannten Neoehrlichia-Formen angesiedelt. „Es benötigt weitere Untersuchungen, um das Bakterium genauer systematisch einordnen zu können. Es steht jedoch fest, dass es sich um einen potentiell zoonotischen Erreger handeln könnte, der also vom Tier auf den Menschen übertragbar wäre. Wie sich eine Infektion auf den Menschen oder auf Haustiere auswirken könnte, wissen wir noch nicht“, erklärt der Studienleiter Hans-Peter Führer in einer Aussendung.

Im Jahr 2014 sammelten die ForscherInnen 164 Milzproben von erlegten Füchsen in Tirol und Vorarlberg. Genetische Analysen offenbarten eine Füchsin aus Feldkirch als Trägerin des neuartigen Erregers.

Grippeähnliche Symptome

Das Bakterium verursacht bei Menschen und auch bei Haustieren wie etwa dem Hund grippeähnliche Symptome. „Die Erkrankung ist bei Ärztinnen und Ärzten jedoch noch wenig bekannt und bleibt deshalb oft unentdeckt“, so Hodžić. „Wir möchten Bewusstsein für diesen Erreger schaffen. Medizinerinnen und Mediziner sollten bei entsprechenden Symptomen wissen, was zu tun ist. Mit dem Antibiotikum Doxycyclin kann eine Infektion behandelt werden.“

In Zukunft will der Parasitologe Hodžić weitere Untersuchungen an Wildtieren vornehmen. Auch die Verbreitung der Zecken in Europa bedarf noch intensiver Forschung. „Ein Monitoring der von Zecken übertragbaren Krankheiten gewinnt stetig an Bedeutung“, betont Hodžić.