Eine der häufigsten Fragen die sich Hundebesitzer selbst stellen ist die der richtigen Zahnpflege ihres Vierbeiners. Wir haben für Sie bei Dr. Mathias Schweda, Spezialist der Universitätsklinik in Wien, nachgefragt.

Herr Dr. Schweda, Sie sind Spezialist in Sachen Zahnbehandlungen bei Tieren. Kann man sagen wie oft eine solche Zahnbehandlung bei einem Hund im Laufe seines Lebens notwendig ist? Gibt es hier Statistiken oder Erfahrungswerte?

Dr. Mathias Schweda, Spezialist der Universitätsklinik in Wien
Dr. Mathias Schweda, Spezialist der Universitätsklinik in Wien

Wie oft einen Zahnbehandlung im Laufe des Hundelebens notwendig ist, ist leider schwer zu sagen. Der erste Vorstellungsgrund beginnt, vor allem bei den jetzt immer beliebter werdenden „Toy-Breeds“, also Kleinstrassen mit dem Zahnwechsel. Oft fallen Milchzähne nicht aus, und dies kann zu Fehlstellungen im Zahn- und Kieferbereich führen. Junghunde fügen sich leider sehr oft traumatische Verletzungen, wie Zahnfrakturen und Luxationen beim Spielen (mit Stockerl oder sogar Steinen) zu. Dennoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass laut Statistik 80% aller Hunde über 3 Jahre an Zahnerkrankungen leiden. Zusammenfassend ist die Häufigkeit des Zahnarztbesuches sehr von der Hunderasse, der regelmäßigen Zahnpflege und eventuellen Unfällen abhängig.

Stimmt es, dass kleine Hunde öfter Probleme haben als große? Wenn ja woran liegt das?

Ja das stimmt. Die Ursache dafür liegt oft in der veränderten Physiologie. Kleine Hunde haben im Vergleich zum „normalgroßen“ Hund eine sehr kleine Maulhöhle und im Verhältnis dazu allerdings wieder viel zu große Zähne. Verstärkt werden diese Probleme noch durch eine veränderte Schädelform, wie bei den leider sehr beliebten „kurzschnäuzigen“ Hunden wie Mops oder französische Bulldogge. Bei diesen „brachycephalen“ Rassen drehen sich die Zähne seitwärts, weil einfach nicht mehr genug Platz in der Maulhöhle ist. Die Folge sind ein erhöhtes Auftreten von Zahnfleischentzündungen, Zahnsteinbildung und Parodontitis. Ebenso werden die Zähne dieser Hunde oft nicht als das genutzt, wofür sie eigentlich angelegt sind. Sie sind wichtige Werkzeuge in der Futterbeschaffung und Zerkleinerung und erkranken vor allem bei Inaktivität.

Was sind generell die Ursachen von Zahnerkrankungen? Gibt es genetische Faktoren? Gibt es Rasse – Faktoren?

Eine der wichtigsten Ursachen für Zahnerkrankungen bei Hunden und auch bei Katzen ist die unzureichende bzw. fehlende Zahnpflege. Wie bereits oben erwähnt, sind Prädispositionen bei bestimmten Rassen meist von der veränderten Kopf/Gebissphysiologie abhängig. Genetische Faktoren sind schwer greifbar, da der vollständige genetische Code von unserem Haushund noch nicht zur Gänze entschlüsselt ist.

Wie sehr beeinflusst der Besitzer resp. die Haltung die Entwicklung von Zahnerkrankungen?

Der Einfluss des Besitzers auf die Zahngesundheit seines Hundes ist drastisch. Abgesehen von unglücklichen Unfälle, die zu Verletzungen im Bereich der Maulhöhle führen können, bestimmt der Besitzer schon mit der Auswahl des Futter deutlich die Zahngesundheit seines Hundes. Wenn man bedenkt das wir Menschen uns zwei mal täglich die Zähne gezielt putzen, um Plaque und Speisereste zu entfernen, so bleibt dem Hund oft nur das Kauen an Gegenständen, Spielsachen, Stockerl oder ähnlichen um seine Zahnoberflächen zu reinigen. Die Konsequenz daraus sind bei 80% der Hunde Zahnprobleme schon ab 3 Jahren. Hier herrscht dringender Aufklärungsbedarf: Pflegen Sie gezielt die Zähne ihres Hundes, Sie ersparen Ihrem vierbeinigen Freund Schmerzen und sich selbst eine Menge Geld.

Was sind die häufigsten Erkrankungen der Maulhöhle?

Eine sehr renommierte amerikanischen Fachzeitschrift hat 1999 eine Studie veröffentlicht, bei der 31484 Hund auf die häufigste Erkrankung untersucht wurden. Eindeutiger „Gewinner“ mit 20,5%, das Auftreten von Zahnstein in der Maulhöhle, gefolgt von der Zahnfleischentzündung und als abgeschlagener Dritter die Ohrenentzündung. Das heißt jeder fünfte Hund leidet an Zahnsteinbildung und deren Folgen.

Erkennt man als Besitzer die Symptome selbst sofort oder macht eine prophylaktische Untersuchung, ähnlich wie bei uns Menschen, Sinn?

Einer der klügsten Köpfe seinerzeit sagte einst: „Vorbeugen ist besser als Heilen“, Hippokrates 400 v. Chr. Tierärzte werden in Ihrer langjährigen Ausbildung geschult, Symptome bei unseren Haustieren zu erkennen, in Zusammenarbeit mit dem Besitzer, der zweifellos sein Tier am besten kennt, ergibt das ein unschlagbares Team zum Wohl des Tieres. Eine prophylaktische Untersuchung gibt uns die Chance Erkrankungen früh zu erkennen, oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Halbjährlich bis jährliche Kontrollen sollten obligatorisch sein. Oft beeinflusst ein einfaches Beratungsgespräch positiv die anhaltende Gesundheit Ihres Vierbeinigen Begleiters.

Was sind die häufigsten Präventivmaßnahmen?

Die einfachste Präventivmaßnahme ist die regelmäßige Zahnpflege. Putzen Sie die Zähne Ihres Hundes, belohnen Sie ihn mit Kaupflegeprodukten. Vermeiden Sie das Spielen mit allem was härter ist, als ein Zahn (Hartholz, Steinen, Nylonbälle etc.). Lassen Sie die Zähne Ihres Hundes 1-2x pro Jahr durch einen Tierarzt kontrollieren.

Wie sieht´s aus mit dem Zähneputzen? Sinn oder Unsinn? Was kann man falsch machen?

Was wäre, wenn wir kurz über einen Menschen sprechen würden. Keiner würde die Sinnhaftigkeit von Zähneputzen in Frage stellen, oder? Ähnlich sollte es bei unseren Hunden und Katzen sein, alleinig die Zahnbürste müssen Sie als Besitzer halten!
Aber im Ernst Zähne putzen macht Sinn! Benutzen Sie deshalb nur weiche Zahnbürsten, vermeiden Sie Ihre „gebrauchte“ Zahnbürste an den Hund weiterzugeben, verwenden Sie keine „Humanzahnpasta“, sondern Wasser, Schlemmkreide oder spezielle Hundezahnpasta und nehmen Sie sich Zeit und sehen Sie es als Ihren Beitrag für ein langes gesundes Hundeleben.

 

Tipps fürs Zähne putzen