2018 findet die Hütehunde-Europameisterschaft zum dritten Mal in Österreich statt. Die Vorbereitungen, die Wanderschäfer Günther Kramer übernommen hat, laufen auf Hochtouren.

Jeweils fünf Schafe müssen die Border Collies bei den Bewerben auf Befehl der Hundeführer aus fast 500 Metern Entfernung abholen, auf einem genau abgezeichneten Weg führen, zwei Tiere aus der Herde abtrennen und schließlich ins Gatter bringen. Die Herausforderung besteht vor allem darin, das Zeitlimit einzuhalten und die Tiere möglichst ruhig – also schafschonend – zu führen. „Und das alles, ohne dass Hund oder Mensch die Schafe berühren“, erklärt Wanderschäfer Günther Kramer aus Waldburg im Mühlviertel. Entscheidend sei der richtige Umgang mit dem Hund: „Auf 500 Meter Entfernung hat man mit dem Hinbrüllen von Kommandos keine Chance. Da geht es nicht um Unterordnung, sondern viel mehr um Kommunikation und Vertrauen.“

Europameisterschaft

Er nimmt selbst an Wettbewerben teil und hat sich darum bemüht, die Europameisterschaft ins Mühlviertel zu holen. „Wir rechnen mit 90 Teilnehmern und 10.000 Zuschauern“, sagt Kramer. In Österreich beschäftigen sich zwei Vereine mit der Hütearbeit: der Österreichische Club für britische Hütehunde und der Österreichische Hütehundeverein. „Viele Mitglieder sind Landwirte, die nicht an Wettbewerben teilnehmen“, erklärt Kramer.

Kleine Szene

Wirklich aktiv bei den Hütehunde-Meisterschaften sind österreichweit rund 30 Personen. Günther Kramer ist in Oberösterreich der derzeit einzig aktive Wanderschäfer. Er hat fünf Hunde, mit denen er 300 Schafe über 45 Hektar in drei Gemeinden treibt. Bis ein Border Collie ausgebildeter Hütehund ist, dauert es seine Zeit. „Mit zwei Jahren sollten sie eine Basisausbildung haben, dann geht es darum, in der täglichen Arbeit Routine zu bekommen und Erfahrungen zu sammeln.“

Vier Jahre Ausbildung

„Mit vier Jahren ist die Ausbildung vorbei, aber das Lernen hört nie auf“, erklärt Kramer weiter. Den derzeit herrschenden Trend zu Border Collies sieht der Wanderschäfer sehr kritisch: „Diese Hunde wurden für eine ganz konkrete Aufgabe gezüchtet. Durch ihre Intelligenz, ihr Wesen und ihre Wissbegierde fing man aber an, sie für andere Sachen einzusetzen und auch dahingehend zu züchten.“ Deshalb sehe man so viele Border Collies im Hundesport und bei Shows. „Dann sind sie nicht mehr diese manischen Hüter und in Ausnahmefällen kann es schon gut gehen, einen solchen Hund in einer Familie mitlaufen zu lassen“, so Kramer, der auch viele Trainings für Hütehunde veranstaltet. Dennoch warnt er vor Unterforderung dieser sehr speziellen Hunde: „Wenn man dieses Tier nicht geistig fordert, entwickeln sich Verhaltensstörungen und der Hund wird alles hüten – auch Radfahrer.“