Hund mit riesigem Knochen
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Barfen ist in aller Munde. Zumindest in denen der Hundebesitzer. Dass das rohe Futter den Weg in die Hundenäpfe aber dennoch oft nicht schafft liegt nicht selten daran, dass Frauerl und Herrl den großen Aufwand scheuen. Der muss aber nicht sein. Ganz im Gegenteil. So geht Barfen einfach und unkompliziert. 

Täglich frisches Fleisch und Gemüse besorgen, die Überlegung, welche Fleischsorte für meinen Vierbeiner die beste ist, Fütterungspläne erstellen. Und nicht zuletzt an eine ausreichende Nährstoffversorgung denken. Der Mythos, dass Barfen kompliziert ist, hält sich teilweise sehr hartnäckig. Dass es das aber keineswegs sein muss und vor allem nicht ist, erklärte uns Martina Tuscher, Ernährungsberaterin für Hunde und Inhaber von „roh macht froh“.

Wie integriere ich Barfen in den Berufsalltag?

„Man kann auf jeden Fall vorbereiten und muss nicht jeden Tag frisch füttern. Zum Beispiel kann ich am Sonntag einen Topf Gemüse machen, das ich püriere oder kurz angedünstet zerstampfe, damit es der Hund auch verwerten kann“, erklärt Tuscher. Wobei man den Topf im Kühlschrank aufbewahrt, oder aber das Gemüse vorportioniert „und es in Bechern oder Sackerln“ einfriert.

Auch Fleisch kann man getrost einige Tage im Kühlschrank aufbewahren, „solange man es aus der Plastikverpackung nimmt“, so Tuscher. Am besten, man bewahrt es in einer offenen Schüssel auf. „Wenn es antrocknet oder einen Stich bekommt, macht das nichts“, der Hund würde schließlich auch Aas fressen. Beim verschlossenen Fleisch allerdings können Bakterien entstehen, die dem Hund nicht bekommen.

Wie sieht es mit einer ausreichenden Nährstoffversorgung aus?

Das ist weniger streng als gedacht, denn der Hund muss an Nährstoffen nicht jeden Tag alles bekommen. „Man sagt in der Regel, innerhalb von vier Wochen muss er alles haben“, erklärt die Expertin. „Wenn ich an einem Tag nur wenig Zeit habe, gebe ich einfach einen fleischigen Knochen und als Gegenmahlzeit zum Beispiel nur Gemüse“.

Bei einem erwachsenen, gesunden Hund sollte das Verhältnis 70 zu 30 sein. Also 70 Prozent Proteinanteil mit Fleisch, Knochen, etc. und 30 Prozent Kohlenhydratanteil. Wobei die „Kohlenhydrate in Form von Gemüse und nicht von Getreide gegeben werden sollten“. Und wenn Getreide, „dann Pseudogetreide. Das ist zum Beispiel Quinoa, Amaranth, Buchweizen oder Hirse“.

Denn Getreide in Form von Haferflocken, Nudeln, etc. ist keine artgerechte Ernährung für den Hund. Verdauungsstörungen, Unverträglichkeiten oder Juckreiz sind oft die Folge. Allgemein entsteht dann sehr gerne eine Darmproblematik.

Wie bereite ich Futter vor?

Futter für etwa eine Woche vorzubereiten, ist keine große Sache. Man kann das Fleisch und eventuell auch schon die gewisse Menge an Gemüse dazu mischen und einfrieren. Wobei es immer gut ist „ein paar frische Zutaten wie frische Kräuter – im Winter auch in getrockneter Form – oder ein paar Tropfen Öl“ dazuzugeben. „Das schafft man zeitlich eigentlich immer“. Das sollte nur „alles auf natürlicher Basis“ sein.

Falls der Hund keine Knochen essen kann (ist er zum Beispiel schon älter oder verträgt sie nicht) kann man auch gewolfte Knochen (also kleinere Knochen, die mitgemahlen sind) geben. Ansonsten ist auf jeden Fall ein Kalziumersatz zu empfehlen, wobei hier der „natürlichste Ersatz“ etwa in Form von „Eierschalenpulver, Knochenmehl oder Algenkalk“ zu empfehlen ist. Denn die Aufnahme von derart natürlichen Zutaten „kann der Körper selbst regulieren. Das kann er bei künstlichen Zutaten nicht oder nur in geringem Maße“, erklärt Tuscher.

Wie komme ich zum Fleisch?

„Es gibt immer mehr Barf-Shops oder Fleischereien, die sich in diese Richtung orientieren“, so Tuscher. Man könne in Barf-Shops bereits sehr bequem übers Internet bestellen, die auch per Paket zustellen. „Beim Fleischer tut man sich schwer, weil diese oft nicht mehr selbst schlachten“. Was die Schwierigkeit mit sich bringt, „Nebenprodukte“ zu bekommen. „Man sollte also eher in Richtung Shop schauen, die oft im Paket mit Trockeneis liefern“.

Kostenfrage

Vergleicht man mit durchschnittlich teurem Fertigfutter, „komme ich mit dem Barfen durch“. Wobei es davon abhängt, welches Fleisch ich meinem Hund füttere. „Wenn ich einen Hund habe, dem ich Exotenfleisch füttern muss“ – etwa, wenn er bereits unter Unverträglichkeiten leidet – werde es teurer. „Was aber nicht heißt, dass er ewig Exotenfleisch fressen muss“, so die Ernährungsexpertin. Das könne sich auch durchaus wieder bessern.

Wie abwechslungsreich muss ich füttern?

Entgegen vieler verschiedener Meinungen muss an Fleischsorten nicht immer abgewechselt werden. Ganz im Gegenteil. Man könne „kontinuierlich zwischen vier und sieben Tagen ziemlich die gleiche Fleischsorte füttern“, rät Tuscher. Sonst werde es zu anstrengend für die Verdauung des Hundes. Für ein Monat seien zwei bis vier verschiedene Sorten völlig ausreichend.

Wie weiß ich, welches Fleisch mein Hund am besten verträgt?

Man könne zum Beispiel mit Rindfleisch beginnen und nach und nach „in Form einer Ausschlussdiät“ beobachten, was der Hund verträgt. „Ich füge immer wieder einzelne Komponenten dazu“ – sowohl bei den einzelnen Fleischsorten, als auch beim Gemüse – „und beobachte, ob er es verträgt und auch gerne mag“. Beobachten, mitschreiben, was der Vierbeiner gerne frisst, wie der Kot aussieht – so kann man ganz gut auf eigene Faust aufs Barfen umsteigen. „Mit der Zeit wächst man hinein und es macht richtig Spaß“, weiß Tuscher, „und man kann dem Hund dann auch Gemüsesorten abgeben, die ich selbst verwende“.

Der Anfang

Den Hund vorher austesten oder ähnliches zu lassen, sei also nicht zwingend nötig. „Das ist immer nur eine Momentaufnahme. Am besten sehe ich es am Hund selbst“. Ist der Vierbeiner schon sehr lange an Fertigfutter gewöhnt, könne ich zum Beispiel „mit einer Karottenkur den Darm sanieren“, bevor ich beginne, roh zu füttern. Diese habe eine entgiftende und ausleitende Wirkung und helfe so, „die guten Sachen danach besser aufnehmen und damit arbeiten zu können“.

Ratsam sei, am Anfang der Umstellung noch keine Innereien zu geben, da Durchfall die Folge sein könnte.

Grundsätzlich gelte es, die Ernährung ganz individuell an den eigenen Hund anzupassen. Schließlich „ist es auch beim Menschen so, dass er nicht jedes Essen verträgt“, sagt die Expertin. „Barfen hat nicht der Mensch gemacht, sondern die Natur“.