Rätsellösen soll ja die grauen Zellen auf Trab halten. Und Demenz und Alzheimer vorbeugen. Stimmt. Und zwar nicht nur beim Zweibeiner.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr? Oder etwa doch? Zumindest sollte man Hans bis ins hohe Alter die Möglichkeit geben, lernen zu dürfen. Auch dem Hunde-Hans. Denn lebenslanges Lernen ist nicht nur für Menschen, sondern auch für unsere Vierbeiner eine große Bereicherung.

Sudoko für den Hund

Klar, wir wollen unseren alternden Vierbeinern meist einen ruhigen Lebensabend gönnen und sehen ihnen Sturheit und Unfolgsamkeit, die sich im Alter oft einschleichen, gerne nach.

Nicht nur uns Menschen, auch alten Hunden kann Computerspielen Spaß machen und sie als Training herausfordern.
Nicht nur uns Menschen, auch alten Hunden kann Computerspielen Spaß machen und sie als Training herausfordern. (Foto: Messerli Forschungsinstitut/Vetmeduni Vienna)

Aber: damit tun wir ihnen nicht unbedingt was Gutes. Stetes Hirntraining und gelöste Denkaufgaben setzen bei den bis ins hohe Alter lernfähigen Tieren positive Emotionen frei und bremsen den natürlichen, geistigen Abbau. Zwar lassen körperliche Limits ein vergleichbares Training wie bei jungen Hunden meist nicht zu, Forscherinnen und Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien schlagen jetzt aber eine zukunftsträchtige Alternative vor: Computerspielen für Hunde.

Spielen am Tablet – mit Pfote

Einfache Denkaufgaben am Computer, verbunden mit einem Belohnungssystem, könnten körperlich beanspruchendes Training ersetzen und die Vierbeiner trotzdem bis ins hohe Alter geistig fit halten, teilen die Forscherinnen und Forscher in einer Aussendung der Vetmed Vienna mit. Dafür gilt es jedoch die Methode aus dem Labor in das Wohnzimmer zu holen.

Sei es in der Hundeschule oder im privaten Umfeld, Welpen oder junge Hund versucht man mit verschiedenen Trainingsmethoden zu sozialisieren oder zu fordern, um ihnen eine Platz in unserem Alltag zu geben. Je älter die vierbeinigen Begleiter jedoch werden, desto mehr reduzieren sich unbewusst regelmäßiges Training und Herausforderungen. „Damit schränkt man jedoch kognitive Impulse ein, die für die weiterhin lernfähigen Tiere ein positives Denkerlebnis bedeuten können“, erklärt Erstautorin Lisa Wallis. „Ähnlich wie bei Menschen sinkt auch bei Hunden im Alter die Produktion des Botenstoffs Dopamin, mit der etwa abnehmendes Erinnerungsvermögen einhergeht. Diesem natürlichen, geistigen Abbau kann man aber mit gezieltem Training vor allem der kognitiven Fähigkeiten entgegenwirken.“

Vierbeinige Gambler am Touchscreen

Unter Laborbedingungen funktioniert das durch Training mit computerbasierten Denkaufgaben. Zwar erfordert das Gewöhnen an den Touchscreen eine gewisse Vorbereitung, wenn die Tiere den Kniff aber einmal heraushaben, dann sind sie gerne Computergambler. „Das Spielen am Touchscreen wird zwar hauptsächlich mit jungen Hunden analysiert. Wir konnten aber schon zeigen, dass auch ältere Hunde auf diese kognitive Trainingsmethode ansprechen“, so Letztautor Ludwig Huber. „Bei den Tieren ist vor allem die Aussicht auf Belohnungen ein wesentlicher Faktor für die Motivation etwas Neues oder Herausforderndes zu tun.“

Hirntraining rüttelt wach

Durch einfache Aufgaben, die per Touchscreen gelöst werden können und für die man dann belohnt wird, bleiben also auch alte Hunde lernwillig. „Das positive Empfinden, das eine gelöste, geistige Herausforderung  bringt, ist vergleichbar mit dem Empfinden, das Menschen im Alter spüren, wenn sie etwas Neues dazu gelernt haben. Regelmäßiges Hirntraining rüttelt also nicht nur uns, sondern auch Hunde im Alter quasi wach und macht sie etwa wieder aufmerksamer für Kommandos, sagt Huber.

Ob sich das Vergessen des vormals Erlernten durch nach und nach getrübtes Erinnerungsvermögen oder mangelndes Training einstellt, ist noch unbekannt. Fakt ist jedoch, dass das lebenslange Lernen mit den Touchscreens diesem Trend entgegenwirken kann. Das Forschungsteam hofft mit der Studie nicht nur Techniker oder Softwareentwickler für zukünftige Kooperationen begeistern zu können, sondern auch interessierte HundehalterInnen. „Aus unserem wissenschaftlichen Ansatz könnte sich auch ein spannendes Citizen Science Projekt ergeben, das das Verständnis für die Wichtigkeit des lebenslangen Lernens auch für Tiere erhöht“, meint Wallis.

Der Artikel „Utilising dog-computer interactions to provide mental stimulation in dogs especially during ageing.“ von Wallis L, Range F, Kubinyi E, Chapagain D, Serra J und Huber, L wurde von ACM Digital Library veröffentlicht.