Filmhund Flappi vom ATC
Filmhündin Flappi posiert fürs Foto auf einem Bodentarget. Foto: ATC

Der Hund als Schauspieler, noch dazu der eigene? Was Lassie, Rex und Co. in Filmen so alles leisteten und leisten, ist meist nur mit einem Blick hinter die (Trainings-)Kulissen zu erahnen.

Was Filmhunde so alles können müssen, wie man ihnen Tricks beibringt und welche man auch mit dem eigenen vierbeinigen Liebling zuhause ausprobieren kann, erzählte uns Filmhunde-Trainerin Elke Grablechner vom Animal Training Center.

HZ: Welche Tricks und Verhaltensweisen sollte jeder Filmhund können? 

Elke Grablechner: Jeder Filmhund muss ein gewisses Repertoire an Verhaltensweisen können. Neben Signalen wie „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ lernen die Hunde unter anderem verschiedene Gegenstände zu apportieren und an bestimmte Orte zu bringen oder diese im Maul zu halten. Besonders wichtig ist auch, dass der Filmhund lernt, mit einem anderen Menschen, dem Schauspieler, mitzugehen, bei diesem zu bleiben und ihn oder sie immer wieder anzusehen. Um unterschiedliche Stimmungen darzustellen, lernen die Hunde auf Signal langsam oder schnell zu gehen, sich auf die Seite zu legen oder den Kopf zu senken bzw. diesen irgendwo abzulegen, um einen müden oder traurigen Hund darzustellen.

Nicht nur die Anzahl der Tricks ist ausschlaggebend, damit aus einem Hund ein guter Filmhund wird. Auch viele charakterliche Eigenschaften wie Unerschrockenheit, Freude an der Arbeit, Ausdauer, Freundlichkeit und nicht zuletzt das Aussehen sind wesentliche Merkmale.

HZ: Gibt es Filmtricks, die man als Frauchen und Herrchen seinem Hund auch daheim beibringen kann?

Grablechner: Grundsätzlich kann der eigene Familienhund alles lernen, was auch ein Filmhund kann. Beim Erlernen von neuen Tricks sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Wichtig dabei ist immer, dass Hund und Mensch Freude daran haben.

HZ: Welche Filmtricks sind auch für den Alltag gut “brauchbar”?

Grablechner: Im Prinzip ist es möglich die meisten Tricks, die ohne viel Equipment auskommen, auch in den Alltag und bei Spaziergängen zu integrieren. Was jeder Filmhund kennen muss, ist ein Bodentarget. Das ist ein beliebiger Gegenstand, auf den der Hund seine Vorderpfote(n) stellt. Diesen kann man dann an beliebigen Orten platzieren und den Hund auf Distanz dorthin schicken.

Als Bodentarget bieten sich im Alltag unzählige Gegenstände an, wie z.B. in der Natur große und kleine Steine, Blätter, Äste, Wurzeln, aber auch in der Stadt findet man Dinge, wie eine verlorene alte Zeitung, Stufen vor Brunnen, die erste Stufe einer Treppe, eine Schnur, die irgendwo herumliegt oder auch andersfärbige Pflastersteine oder Fliesen.

Man zeigt dem Hund jeweils das neue Target und schickt ihn erst aus kurzer und dann immer größerer Distanz dort hin. Hat der Hund gelernt, auf dem Target länger ruhig zu stehen, hat man mit dieser Übung die Möglichkeit, seinen Hund auf Gegenständen oder an Orten zu positionieren, um beispielsweise schöne Fotos zu machen, ohne selbst im Bild oder vor der Kamera zu stehen.

HZ: Wie talentiert müssen Hunde dafür sein bzw. sind gewisse Tricks für jeden Hund erlernbar?

Grablechner: Wie beim Menschen auch hat auch jeder Hund verschiedene Talente. Während der eine Hund sehr schnell neue Bewegungsabläufe erlernt, liegen die Stärken des anderen Hundes eher darin, Denkaufgaben zu lösen und Geschicklichkeitsspiele zu erlernen. Am besten probiert man aus, was dem Hund Spaß macht.

Manche Tricks werden sehr schnell erlernt, andere brauchen viele Wochen, Monate oder sogar Jahre, bis sie perfekt klappen. Oft entstehen auch lustige Abwandlungen eines Tricks, wenn man den Hund einfach mal selbst ausprobieren lässt. 

HZ: Haben Sie ein kurzes Trainingsbeispiel, wie man einen Trick beibringen kann?

Bodentarget:

Grablechner: Zu Beginn eignet sich besonders gut ein Gegenstand, der etwas dicker und klar zum Boden abgegrenzt ist, wie z.B. ein niedriger Hocker oder ein Brett, das rutschfest ist. Beide Vorderpfoten sollten gut darauf Platz haben, der Gegenstand sollte aber auch nicht viel größer sein.

Filmhund Flappi vom ATC
Flappi posiert auf einem Baumstamm. Foto: ATC
Schritt 1:

Der Hund wird mit der Hand oder Futter auf den Gegenstand gelockt und dort belohnt, sobald er eine oder auch die zweite Pfote drauf gestellt hat. Sobald der Hund beide Pfoten ein paar Mal hintereinander drauf gestellt hat, wird er nur mehr für beide Pfoten auf dem Gegenstand belohnt. Ein Markersignal wie der Clicker hilft dem Hund schneller zu verstehen, was er tun soll.

Schritt 2:

Der Hund wird nicht mehr gelockt, sondern mit ausgestreckter Hand, die auf den Gegenstand zeigt, aus ca. einem halben Meter Entfernung auf den Gegenstand geschickt und gelobt und belohnt, sobald er mit den Pfoten drauf steht. Geht der Hund nicht auf den Gegenstand, ist Schritt 1 nicht oft genug wiederholt worden oder der Abstand zum Gegenstand zu groß. Also Schritt 1 nochmals wiederholen und Distanz verringern.

Schritt 3:

Der Hund wird aus unterschiedlichen Richtungen auf den Gegenstand geschickt.

Schritt 4:

Die Position des Trainers verändert sich. Der Trainer steht einmal rechts und einmal links oder auch hinter dem Hund. Der Hund kann auch abgesetzt werden und der Trainer entfernt sich erst nur ein kleines Stück und dann immer weiter vom Hund, bevor er diesen auf das Target schickt. Dabei kann sich das Target auch zwischen dem Hund und dem Trainer befinden.

Schritt 5:

Alle Schritte werden mit neuen Gegenständen wiederholt, die später als Target eingesetzt werden können. Dafür eignen sich Tisch- und Glasuntersetzer, Türmatten, kleine Teppiche und alles andere, das rutschfest ist.

Schritt 6:

Der Hund lernt auf dem Target verschiedene Verhaltensweisen auszuführen, wie „Sitz“, „Platz“, „Steh“, sich zu drehen, Männchen zu machen, mit einer Pfote zu winken, sich zu verbeugen, oder auch Gegenstände auf das Target zu apportieren und im Maul zu halten.