Labrador Retriever Welpe schläft mit Kuscheltier
©lurii Sokolov

„Schlafende Hunde weckt man nicht.“ Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn wie viel Ruhe und Erholung unsere Vierbeiner tatsächlich brauchen, unterschätzen wir meist. Alles über den Hundeschlaf.

Sie sind einfach immer mit dabei. Vielleicht nicht immer.  Aber oft. Oder immer öfter. Sie kommen mit zur Arbeit, haben dem neuesten Tratsch im Café still beizupflichten, dazwischen geht es – mitten durch den Straßenverkehr – ab in die nächste Hundezone, um gefälligst Spaß am Sozialkontakt mit Artgenossen in verschiedensten Stimmungslagen zu haben. Oder Mensch ist gern sportlich aktiv und verlangt vom Vierbeiner, er möge es ihm doch gleich tun. 

Und das bitte mit viel Motivation und Freude. Die der Hund daran sehr wahrscheinlich auch findet. Denn es ist toll, mit seinem Menschen zusammen zu sein und alles gemeinsam zu unternehmen. Grenzen erkennt der Vierbeiner dabei jedoch meist schwer. Vor allem nicht jene zum längst fälligen Cool-down. Wenn es ab ins Bett oder Körbchen gehen und einfach nur Ruhe angesagt sein sollte. „Das Erkennen des Ruhebedürfnisses ist noch angeboren. Das Beharren darauf allerdings nicht mehr. Haushunde wurden dazu gezüchtet, stets einsatzbereit und willig zu sein.

Sehr deutlich ist dies bei den logischerweise am meisten benutzten Rassen: Golden Retriever, Jack Russell Terrier, Deutscher Schäferhund, Border Collie, etc. Diese Hunde sagen selten: ‚Ich will nicht mitmachen‘“, schreibt Hundetrainerin Sonja Hoegen. Der Vierbeiner hat in vielen Fällen kaum mehr die Möglichkeit, sich seine Auszeiten selbst zu nehmen. Es liegt also am Zweibeiner, für ausreichend Hundeschlaf zu sorgen. Was aber bedeutet „ausreichend“? „Daten zur Aktivitätsverteilung von verwilderten, aber von Menschen zu gefütterten Haushunden zum Beispiel in Italien, aber auch Indien und anderen Orten zeigen, dass sie circa 50 – 70 Prozent des 24-Stunden-Tages schlafen, und nochmal 50 Prozent vom Rest mit wachsamem Herumliegen verbringen“, erklärt Verhaltensbiologe Udo Gansloßer. Was für den erwachsenen Hund also 17 Stunden Schlaf und nochmal drei bis vier Stunden zusätzliche Ruhe bedeutet. Für Welpen und Senioren sogar noch mehr. 20 Stunden Schlaf sind also für einen Hund keine Seltenheit.

Schlafplatz für den Hundeschlaf

Wohl überlegt will auch sein, wo Hund zur Ruhe kommt. Denn nicht jede Ecke in Haus oder Wohnung lädt – im wahrsten Sinn des Wortes – zum Träumen ein. „Der Schlafplatz sollte nachts, sofern der Hund es nicht freiwillig anders wählt, nahe der menschlichen Schlafstätte sein, tagsüber sollte er die Auswahl zwischen mehreren frei zugänglichen Stellen in der Wohnung haben. Elektronische Geräte auf Stand-by oder andere hochfrequente elektrische Töne sollten da möglichst nicht in der Nähe sein“, rät der Verhaltensbiologe. 

Hundeschlaf: träumender entspannter Hund
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„Wenn der Hund sich aber den Ruheplatz selber auswählen kann, hat er ja auch Kontrolle über den Geräusch- und Lichtpegel. Die Unsitte, einem Hund nur einen einzigen Ruheplatz zuzuweisen, den er auch nur auf Erlaubnis verlassen darf, ist nicht sinnvoll – es sei denn, man verordnet einem schon zur Hyperaktivität neigenden Hund zum Beispiel Boxenruhe zur Entspannung“

Ruhepol Box

Apropos Box oder auch Zimmerkennel: Schafft es ein sehr aufgewecktes Exemplar so gar nicht, sich auch mal tagsüber hinzulegen, kann das eine willkommene Rückzugsmöglichkeit (für Mensch und den Vierbeiner) sein. Auch wenn zum Beispiel Besuch ins Haus steht und man dem Vierbeiner zwischen durch Entspannung bieten möchte und auch sollte. Wichtig dabei ist, dass die Box bereits im Vorfeld mit viel Geduld angewöhnt und nur positiv verknüpft wurde. Und der Hund in „seiner Höhle“ dann auch wirklich in Ruhe gelassen und nicht gestört wird. Dann kann sie mitunter Wunder wirken – und hyperaktiven Fellknäuel in nur wenigen Minuten sogar das Einschlafen ermöglichen.

Kontakt zum Rudel

Alleine gelassen zu werden, ist nie lustig. Insbesondere nicht für so soziale Wesen wie unsere Hunde es sind. Und schon gar nicht nachts. „Die Nähe – egal, ob gefühlt oder mit echtem Kontakt – ist gerade nachts für Einzelhunde ein wichtiger Teil ihrer notwendigen Sicherheit. Nachts ist die Zeit, in der die meisten Feinde aktiv sind. Kontaktliegen im Hundeschlaf ist ja bei Caniden auch in einem gewissen Nahbereich ohne echte Berührung möglich, ob der Hund also in, neben oder unter dem Bett des Menschen liegt, ist nicht so entscheidend. Nur ausgeschlossen sollte er nicht werden.“Das gilt auch bzw. besonders für das sogenannte Rangreduktionstraining, also das Ignorieren des Hundes, um ihn seinen (niedrigeren) Rang unter den Menschen spüren zu lassen. „Solche ‚Hausstandsregeln‘ sind oft echte Beziehungskiller“, so Gansloßer.

Vorsintflutlich also, wer noch denkt, der Vierbeiner würde ihm den Rang ablaufen, wenn er sich ins Bett kuschelt. Ganz im Gegenteil. Körperkontakt stärkt die Bindung und schafft Vertrauen und Respekt. „Hunde in Mehrhundegruppen sind da – bezüglich des Menschen – eventuell etwas flexibler. Wenn der Mensch seine Leittierkompetenzen gut wahrnimmt, ist er aber trotzdem in dieser Zeit als ‚Nah-Schläfer‘ sehr attraktiv. “Wehe, wenn zu wenig Schlafen ist die beste Medizin. Nicht von ungefähr kommt dieses Sprichwort – und gilt es vor allem nicht nur für uns Menschen. Wie wichtig ausreichende Schlaf- und Ruhephasen für Hunde sind, zeigt sich mehr oder weniger rasch am Verhalten und dem Gesundheitszustand unseres eigenen Hundes. Denn die Folgen von zu wenig Schlaf können mitunter fatal sein: „Einerseits, genau wie bei uns, ein geschwächtes Immunsystem und verminderte Fähigkeit zur Abspeicherung von Lerninhalten im Langzeitgedächtnis. Andererseits ist auch ein Risiko für echte Hyperaktivität vorhanden“, erklärt der Verhaltensbiologe. Was Studien beweisen.

Auch eine Umfrage zu den Lebensbedingungen von Hunden und zu Stress-Symptomen, die einen ganz klaren Zusammenhang zum Schlaf- und Ruhebedürfnis der Vierbeiner haben, zeigt: „Hunde, die weniger als 17 Stunden pro Tag schlafen oder ruhen, haben einen deutlich höheren Stress-punktewert als der Gesamtdurchschnitt. Es muss also davon ausgegangen werden, dass jeder Hund die Möglichkeit dazu haben sollte, mindestens 17 Stunden täglich zu schlafen oder zu ruhen.“ (Stress bei Hunden, Scholz, v. Reinhardt). „Nachdem die Summe der Stresspunkte mit jeder Stunde weniger Hundeschlaf kontinuierlich ansteigt, kann man es als Stress-Symptom betrachten, wenn der Hund nicht zur Ruhe kommt.

Mit anderen Worten: Fördert der Hundehalter die Aktivität des Hundes im Übermaß, kann dies der Grund für die Stressprobleme des Tieres sein. Aus diesem Grund sollte jeder Hundehalter darauf achten, dass auf Tage vermehrter Aktivität für den Hund Tage mit ausgiebigen Ruhephasen folgen.“TräumelandSie quietschen, knurren, versuchen zu laufen. Hunde träumen „mit höchster Wahrscheinlichkeit“, so Gansloßer. Wie viel, sei jedoch „durch Studien noch nicht belegt. Der Schlafzyklus, inklusive einmal Tiefschlaf und zurück, ist aber in jedem Fall bei Hunden viel kürzer als bei uns, meist circa 20 bis 25 Minuten, gegenüber circa 60 bis 80 Minuten pro Zyklus beim Menschen.“