Nicht für jeden Hund ist Autofahren ein Spaß. Foto: © pixabay
Nicht für jeden Hund ist Autofahren ein Spaß. Foto: © pixabay

Die Urlaubszeit steht vor der Tür, und verreist Mensch mit dem Auto darf Hund natürlich nicht fehlen. Wie aber gewöhne ich meinen Hund ans Autofahren?

Entspannt mit dem Hund im Auto zu fahren, das ist der Wunsch von jedem Hundehalter. Viele Hunde machen es einem auch leicht. Sie lieben das Autofahren und wollen immer mit dabei sein. Aber es gibt auch Hunde, die vor dem Auto geduckt davonlaufen, oder während der Fahrt anfangen zu winseln und zu bellen. Wichtig ist dabei ein langsamer, schrittweiser Trainingsaufbau. Am besten wäre es, früh – wenn möglich schon im Welpenalter – damit anzufangen. Das Auto sollte positiv verknüpft werden, indem man gerade zu Beginn nur kurze Strecken fährt – an für den Hund schöne Orte, die er mit tollen Erlebnissen verbinden kann.

Kann ein Hund in jedem Alter lernen, gerne mit dem Auto mitzufahren oder sollte das immer schon im Welpenalter sein?

Im Welpenalter ist es einfacher, da er noch offener an neue Situationen herangeht. Außerdem ist es einfacher, wenn der Hund von Anfang an lernt, dass Autofahren nichts Schlimmes ist und einfach dazugehört. Aber in kleinen Schritten ist es in jedem Alter möglich. Autofahren sollte jedem Hund beigebracht werden, denn dann kann man viel mehr Gemeinsamkeiten erleben. Besonders in der Urlaubszeit muss man dann keinen Hundesitter organisieren, sondern kann seinen Liebling einfach mitnehmen.

Bettina Hauser, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin & Inhaberin der Hundeschule "durch dick & dünn" in Wettmannstätten, Stmk.
Bettina Hauser, tierschutzqualifizierte Hundetrainerin & Inhaberin der Hundeschule “durch dick & dünn” in Wettmannstätten, Stmk.

Wie transportiere ich meinen Hund am besten und auch sichersten?

Hunde gelten verkehrsrechtlich als Ladung, die im Auto gesichert werden muss. Man verwahrt sie also am besten in einer (Transport)Box, hinter einem Trenngitter oder angeschnallt mit einem Geschirr.  Bei mehreren Hunden ist immer darauf zu achten, dass jeder Hund genug Platz hat. Manche Hunde brauchen mehr Abstand. In so einem Fall ist eine Trennung dazwischen empfehlenswert.

Wie kann so ein Autofahr-Training aussehen? In einzelnen Schritten?

  1. Ganz wichtig ist, dem Hund das Auto von außen und von innen kennenlernen lassen, der Motor bleibt dabei ausgeschaltet. Zur Vorbereitung sollte man das Auto mit geöffneten Türen und geöffneter Heckklappe in einen eingezäunten Bereich stellen, eine dem Hund vertraute Decke hineinlegen oder seine vertraute Box mit Decke hineinstellen. Und zwar auf den Platz im Auto, wo er sich später dann auch aufhalten soll. Der Hund braucht einen eigenen Platz, der nur ihm gehört. Sinnvoll wäre, den Hund schon zuvor im Haus an die Transportbox zu gewöhnen. So kann sie für ihn ein sicherer Platz zum Entspannen werden. Mit diesen vertrauten Gegenständen wie Box und/oder Decke fällt es dem Hund wesentlich einfacher, sich an das Auto zu gewöhnen, weil er so von Anfang an ein Gefühl von Vertrautheit damit verbindet.

Zusätzlich sollte man auf der Decke im Auto Leckerlies verstreuen, weil ihn diese zur Erkundigung ermutigen.

  1. Erst im nächsten Schritt holt man den Vierbeiner und lässt ihn – ohne ihn an die Leine zu nehmen – in Ruhe das Auto besichtigen. Es ist wichtig, ihm dabei genug Zeit zu geben. Sollte er sich nicht trauen, das Auto zu erkunden, ihn bitte nicht dazu drängen. Dann sollte man ihm den Beginn des Trainings noch einfacher gestalten und ihn neben dem Auto (so nah sich der Hund hinwagt) jeden Tag aus seiner Futterschüssel füttern und Tag für Tag ein Stück näher an das Auto rangehen.
  2. Im nächsten Schritt stellt man die Schüssel ins Auto. Zuerst noch an den Rand, dann immer ein Stück weiter hinein, bis sie auf seiner Decke steht bzw. eben auf dem Ort im Auto, wo der Hund später mitfahren soll.

Der Hund gibt dabei das Tempo vor, Geduld ist hier sehr wichtig.

Einige Hunde bevorzugen ein Spielzeug. Man kann natürlich genau so zum Beispiel mit seinem Lieblingsball trainieren. Es ist wichtig, dass es etwas ist, was der Hund sehr gerne hat, ganz gleich ob Futter oder Spielzeug.

  1. Steigt der Hund freiwillig und ohne sichtbare Angst ins Auto, kann man ihm auf seinem Platz etwas Beliebtes zum Kauen geben, damit er lernt, ruhig an diesem Ort zu verweilen.
  2. Die Türen lässt man zum ersten Mal zufallen, wenn sich der Hund noch außerhalb des Autos befindet, um zu sehen wie er reagiert. Erschrickt er, gibt man – mit genügend Abstand – jedes Mal Leckerlis, wenn die Türe zufliegt. Bis er sich daran gewöhnt hat.
  3. Kann sich der Hund im Auto entspannen und hat er sich auch an den Türschlag gewöhnt, dann kann man beginnen die Türen zu schließen. Hat er sich mehrmals bei geschlossenen Türen für eine Weile im Innenraum des Autos aufgehalten, ohne Angst zu zeigen, kann man das erste Mal den Motor anstellen, während der Hund im Auto liegt oder sitzt.
  4. Für ruhiges Verhalten bei laufendem Motor sollte man den Vierbeiner ausgiebig loben, dann den Zeitraum nach und nach langsam verlängern. Sobald sich der Hund bei laufendem Motor im Auto entspannt – also zum Beispiel hinlegt – kann man ein Stück fahren.

Der Hund sollte genau beobachtet werden, sobald das Auto losrollt (ein Helfer, der das Auto fährt, kann am Anfang sehr hilfreich sein). Für ruhiges, entspanntes Verhalten wird der Hund gelobt und hin und wieder belohnt (sofern ihn Leckerlis nicht zu sehr aufdrehen oder ihm davon nicht schlecht wird). Zeigt er Stress, bleibt man am besten stehen und übt noch etwas länger im stehenden Auto bei laufendem Motor. Ist er entspannt, kann man eine kurze Strecke von maximal fünf Minuten fahren. Ist er dabei ruhig und bleibt weiterhin entspannt, kann man die Fahrten verlängern.

  1. Gut wäre zu Beginn einfach eine Runde zu drehen oder an einem (für den Hund) ganz besonders tollen Ort anzuhalten. Den Hund erst aussteigen lassen, wenn er ruhig ist, auch wenn das ein wenig dauern kann.
  2. Später sollte er auch lernen alleine im Auto zu bleiben. Aber immer auf die Außentemperaturen achten! Ein Auto erhitzt sich – auch bei gar nicht allzu großer Hitze – bei geschlossenen Fenstern schon nach wenigen Minuten.

Wie verhält man sich, wenn Hunde immer wieder bellen, z.B. wenn sie vorbeigehende Hunde sehen?

Manche Hunde werden durch die vorbeiziehende Außenwelt stark erregt. Da wäre es ratsam, die Box zum Beispiel mit einem leichten Tuch zu bedecken. Manche Hunde beruhigt es, wenn sie während der Fahrt den Besitzer sehen können, das gibt ihnen Schutz. Ängstliche Hunde beruhigen sich oft schneller, wenn eine vertraute Person in ihrer Nähe ist und diese sie während der Fahrt ein bisschen streichelt. Auch ein Hundespielzeug kann den Vierbeiner ablenken. Es gibt aber Hunde, die sich lieber ein wenig zurückziehen. In diesem Fall sollte man ihn auf keinen Fall bedrängen. Für manche größere Hunderassen, Hunde mit körperlichen Einschränkungen (Verletzungen an der Wirbelsäule, Gelenksprobleme) oder ältere Hunde ist eine Einstiegshilfe – etwa eine Rampe – fürs Auto hilfreich. Diese macht einen vorsichtigen und langsamen Aus- und Einstieg möglich. Aber auch hier gilt, den Hund langsam – also zuerst ohne Auto – an diese zu gewöhnen.

Das wären ein paar Hilfsmittel für eine entspannte Autofahrt: – eine vertraute Decke/Box – eine dem Hund bekannte, ruhige Musik, bei der er sich im Haus gern entspannt – Essenzen-Mischung – Adaptil-Spray

Fährt ein Hund nur sehr ungern mit dem Auto mit, welche Gründe kann das haben?

Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein:

– Der Hund könnte das Autofahren mit einem negativen Erlebnis/Trauma verknüpft haben (Tierarzt, Besitzerwechsel, stressige Situation, im Auto vor etwas erschrocken). Daher ist es so besonders wichtig, dass gerade die erste Autofahrt mit einer positiven Erfahrung verknüpft wird. – Dem Hund wird schlecht: Wichtig ist, rund zwei Stunden vor der Fahrt und während der Fahrt nicht zu füttern, manche Hunde haben einen empfindlichen Magen.

Wird dem Hund immer schlecht, sollte man überlegen ob der Ort im Auto passend ist. Wird er zu viel hin- und hergeschaukelt, braucht er einen festen, sicheren Platz, der nicht bei jeder Kurve ins Schaukeln gerät. Oder aber die Sicht auf die vorbeifahrende Landschaft tut ihm nicht gut. Wenn bei einer Platzänderung keine Besserung eintritt, handelt es sich vielleicht um Reiseübelkeit. Dann sollte man den Tierarzt aufsuchen. – Das Klima im Auto kann aber ebenso daran schuld sein, – wenn es etwa zu heiß, zu kalt ist oder Zugluft herrscht – dass sich der Hund nicht wohlfühlt. Ein Hund mit dicker Unterwolle zum Beispiel steigt sicher nicht gern in ein heißes Auto.

Wie oft und in welchen Abständen sollte man Pausen einplanen? (bei langen Autofahrten zum Beispiel)

Pausen sind sehr wichtig. Jeder Hund hat seinen Alltag und seine gewohnten Zeiten fürs Gassigehen, die bei der Autofahrt berücksichtigt werden sollten. Das ist von Hund zu Hund verschieden, etwa alle zwei bis drei Stunden wäre ein Richtwert. In der Pause sollte sich der Hund die Beine vertreten können und die Möglichkeit bekommen, Wasser zu trinken, damit er sich von der Autofahrt erholen kann.

Wie lange wird ein solches Training dauern? Kann man das in etwa sagen?

Das Tempo gibt immer der Hund vor!

1. Schritt_Hund steht vor Auto und schnüffelt Futterschüssel an Foto: © Hauser
1. Schritt: Hund steht vor Auto und schnüffelt Futterschüssel an Foto: © Hauser

2.Schritt_Hund steht noch vor dem Auto und frisst schon aus der Schüssel Foto: © Hauser
2.Schritt: Hund steht noch vor dem Auto und frisst schon aus der Schüssel Foto: © Hauser

 

 

3.Schritt_Leckerlis liegen auf der Decke im Auto Foto: © Hauser
3.Schritt: Leckerlis liegen auf der Decke im Auto Foto: © Hauser

4.Schritt_Hund springt ins Auto Foto: © Hauser
4.Schritt: Hund springt ins Auto Foto: © Hauser